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Warum Aeneas?
 
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TonjaSchneider
Aedilis


Anmeldungsdatum: 07.06.2010
Beiträge: 133
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 10. Jan 2011 17:36    Titel: Warum Aeneas? Antworten mit Zitat

Laut der Sage stammen die Julier ja von Aeneas/Ainaias ab, hat er viel mit dem Schicksal bzw. der Gründung Roms zu tun. Ich kenne mich da nicht so aus, meine Frage ist: Warum gerade Aeneas, der Trojaner war? Was hat das mit Troja und dem Weiterbestehen des trojanischen Volkes auf sich?
Lowe
Moderator


Anmeldungsdatum: 16.03.2006
Beiträge: 429
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 12. Jan 2011 18:27    Titel: Antworten mit Zitat

Hallo Tonja,
Deine Frage lässt sich umfassend wohl kaum im Rahmen eines Forums beantworten. Vielleicht kann ich aber ein paar Denkanstöße geben. Auf jeden Fall solltest du Vergils Aeneis in einer lat.-deutschen Fassung dazunehmen bzw. lesen. Entsprechende Texte einschließlich Gliederung findest du hier:
http://www.gottwein.de/Lat/verg_komp/verg_aen01.php

Nun zu deinen Fragen. Aeneas spielt bei Homer nur eine Nebenrolle. Erst Vergil machte ihn unter Verwertung von Zügen nachhomerischer Dichtung zum Nationalhelden Roms und Ahnherrn des Kaisers Augustus.
Welche Eigenschaften musste dieser Ahnherr des Augustus nun haben?
1. göttlicher Ursprung
2. typisch römische Eigenschaften wie z.B pietas
3. der gesamte Ablauf der Ereignisse musste natürlich durch die Götter vorher bestimmt sein
4. die Ankömmlinge dürfen nicht als Aggressoren kommen, als Einwanderer, sondern als Rückwanderer
zu 1. Aeneas ist der Sohn der Aphrodite . Sein Sohn wiederum ist Ascanius oder Iulus. In frührömischer Überlieferung soll Iulus der Vater von Romulus und Remus sein, die somit sogar Enkel des Aeneas wären. Durchgesetzt hat sich jedoch die Version von Mars und Rhea Silvia
zu 2. trägt seinen alten Vater auf den Schultern usw.
zu 3. siehe Aeneis 1, 228 ff. Venus möchte von Jupiter wissen, weshalb Aeneas soviel erdulden muss und bekommt ausführlich Antwort, was alles mit ihm geplant ist. Aeneas selbst wäre z.B. sicherlich gerne bei Dido geblieben
zu 4. Wären die Trojaner als Aggressoren gekommen, hätten sie sicherlich den Einheimischen ihren Stempel aufgedrückt. Davon war aber zumindestens zu Vergils Zeit nichts mehr zu spüren und somit auch den Lesern nicht zu vermitteln. Wer möchte ferner gerne Aggressoren zu seinen Ahnherren haben? „Wahrscheinlich stammt erst von Vergil die Konzeption, dass sich die unter Aeneas einwandernden Trojaner .... nicht als Invasoren, sondern als Rückwanderer in ihre alte Heimat stilisieren.“ (Werner Suerbaum, Vergils Aeneis). Es gab nämlich die Überlieferung, dass Dardanus, der Stammvater der troianischen Könige, aus Etrurien stammte.
So weit erst mal. Vieles erklärt sich in der Aeneis.
Nach Caesar Tod gab es übrigens keinen männlichen Nachkommen der Julier mehr. Octavianus war ja nur adoptiert worden.

Gruß
Lowe
TonjaSchneider
Aedilis


Anmeldungsdatum: 07.06.2010
Beiträge: 133
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 12. Jan 2011 19:30    Titel: Antworten mit Zitat

Danke smile
TonjaSchneider
Aedilis


Anmeldungsdatum: 07.06.2010
Beiträge: 133
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 17. Apr 2011 13:06    Titel: Antworten mit Zitat

Ja, ich habe jetzt mal die Aeneis gelesen (auf Deutsch smile ). Ein paar Fragen habe ich:
Wo wird erzählt, wie es weitergeht? Die Aeneis endet ja mit dem Tod von Turnus. Wer hat sich dann das mit Alba Longa ausgedacht? Alba Longa wurde ja schon kurz in der Aeneis erwähnt, aber sonst? Haben sich die - naja, die "Erfinder" der römischen Mythologie sozusagen abgesprochen oder hat einfach einer das mit Aeneas erzählt und ein anderer dann, wie es weiterging - oder wie? Kursierten solche Sagen schon im Volk oder wurden sie von einer Person erfunden?
Okay, noch weitere Fragen:
Mochten die Leute damals Schlachterzählungen? Mir fällt auf, dass in solchen Werken wie "Ilias" oder eben "Aeneis" sehr lang und detailiert die Schlachten beschrieben werden.
Mit wie vielen Schiffen landete Aeneas wohl an Italiens Küste bzw. wie viele Leute passen in ein solches Schiff hinein? In meiner Vorstellung war das so eine Handvoll Schiffe, die sich aus Troia retteten, aber wenn sie so lange Krieg führten gegen Turnus, dann müssen es schon einige Männer gewesen sein ...
Und zuletzt noch:
Der Abschnitt, wo Aeneas mit Dido, also mit den Karthagern zu tun hat, kann man das schon als so eine Art - naja, Begründung für den Krieg gegen Karthago deuten? Weil Dido ja dann Aeneas hasst und auf Rache sinnt, schließlich stirbt ...
Okay, das war´s an Fragen smile
Goldenhind
Administrator


Anmeldungsdatum: 28.03.2006
Beiträge: 1085
Wohnort: Bremen

BeitragVerfasst am: 17. Apr 2011 18:10    Titel: Antworten mit Zitat

TonjaSchneider hat Folgendes geschrieben:
Ja, ich habe jetzt mal die Aeneis gelesen (auf Deutsch smile ). Ein paar Fragen habe ich:
Wo wird erzählt, wie es weitergeht? Die Aeneis endet ja mit dem Tod von Turnus. Wer hat sich dann das mit Alba Longa ausgedacht? Alba Longa wurde ja schon kurz in der Aeneis erwähnt, aber sonst? Haben sich die - naja, die "Erfinder" der römischen Mythologie sozusagen abgesprochen oder hat einfach einer das mit Aeneas erzählt und ein anderer dann, wie es weiterging - oder wie? Kursierten solche Sagen schon im Volk oder wurden sie von einer Person erfunden?

Also die Aeneis ist ja nicht von Vergil erfunden worden. Auch in den (leider größtenteils verlorenen) Annales von Ennius wurde die römische Geschichte vom Fall Trojas an beschrieben (aber wie immer bei solchen Mythen kann man natürlich nicht sagen, wer sie wann erfunden hat).
Zitat:
Okay, noch weitere Fragen:
Mochten die Leute damals Schlachterzählungen? Mir fällt auf, dass in solchen Werken wie "Ilias" oder eben "Aeneis" sehr lang und detailiert die Schlachten beschrieben werden.

Ja, die sogenannte Aristie ist ein typisches Merkmal der antiken Epen. Homer hat das halt vorgemacht und dann haben sich alle seine Epigonen daran orientiert.
Zitat:
Mit wie vielen Schiffen landete Aeneas wohl an Italiens Küste bzw. wie viele Leute passen in ein solches Schiff hinein? In meiner Vorstellung war das so eine Handvoll Schiffe, die sich aus Troia retteten, aber wenn sie so lange Krieg führten gegen Turnus, dann müssen es schon einige Männer gewesen sein ...

Das weiß ich nicht, aber vielleicht steht bei Livius etwas darüber
Zitat:
Und zuletzt noch:
Der Abschnitt, wo Aeneas mit Dido, also mit den Karthagern zu tun hat, kann man das schon als so eine Art - naja, Begründung für den Krieg gegen Karthago deuten? Weil Dido ja dann Aeneas hasst und auf Rache sinnt, schließlich stirbt ...
Okay, das war´s an Fragen smile

Ja, diese Passage dient natürlich dazu, die Erbfeindschaft zwischen Rom und Karthago zu erklären. Im 6. Buch findet sich ja auch ein ausführliches Vaticinium ex eventu zur römischen Geschichte.

MfG Goldenhind
TonjaSchneider
Aedilis


Anmeldungsdatum: 07.06.2010
Beiträge: 133
Wohnort: Berlin

BeitragVerfasst am: 17. Apr 2011 18:49    Titel: Antworten mit Zitat

danke für die rasche Antwort!
Lowe
Moderator


Anmeldungsdatum: 16.03.2006
Beiträge: 429
Wohnort: NRW

BeitragVerfasst am: 24. Apr 2011 04:53    Titel: Antworten mit Zitat

Tonja schrieb:

Zitat:
Mit wie vielen Schiffen landete Aeneas wohl an Italiens Küste bzw. wie viele Leute passen in ein solches Schiff hinein? In meiner Vorstellung war das so eine Handvoll Schiffe, die sich aus Troia retteten, aber wenn sie so lange Krieg führten gegen Turnus, dann müssen es schon einige Männer gewesen sein ...


In dem Buch "Reisen mit Homer" beschäftigt sich der Verfasser Ernle Bradford ausführlich mit den Schiffen zu homerischer Zeit.
1. ca. zwanzig Ruderer, 10 auf jeder Seite, die gleiche Anzahl zum Wechseln, also insgesamt 40 pro Boot.
2. Die Boote waren offen, hatten einen umlegbaren Mast mit einem Rahsegel. (weitere Info siehe Wikipedia unter "Rahsegel". Dort auch die Abbildung eines ägyptischen Schiffes, dem die homerischen Schiffe sehr ähnlich gewesen sein dürften, besonders was das Steuerruder angeht)
3. In der Regel ankerte man abends und schlief an Land. Die Hälfte der Besatzung ging häufig auf Beutezüge, mit den restlichen an Bord war das Schiff immer sofort manövrierbar.
4. Bei Windstille ließ sich schätzungsweise eine Geschwindigkeit von 4 Knoten (etwas mehr als7 kmh) erreichen, d.h. bei stärkerem Gegenwind oder seitlichem Rückenwind wurden sie gnadenlos zurückgetrieben oder seitlich versetzt, da ein Kreuzen hart am Wind nicht möglich war. Auch starken Meeresströmungen oder sehr hohem Wellengang (im Mittelmeer bis zu 10 Metern möglich) waren sie hilflos ausgesetzt.
5. Die Ruderer waren keine Galeerensklaven, sondern die "Gefährten", "Kameraden" usw.

Zitat:
aber wenn sie so lange Krieg führten gegen Turnus, dann müssen es schon einige Männer gewesen sein
Du darfst nicht vergessen, dass Aeneas von Euander 200 arkadische Reiter bekommt und er zum Führer eines etruskischen Heeres gewählt wird, bevor er gegen Turnus kämpft. Außerdem sorgt Venus dafür, dass Vulkan neue Waffen für Aeneas anfertigt, und ansonsten: wer siegt. entscheiden die Götter.

Gruß
Lowe
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